Balaklava ist offenbar bürokratiefreie Zone. Hier fragt keiner nach Papieren, kein Hafenmeister, kein Zoll, keine Küstenwache.
Ausgerechnet Balaklava, der tief in einem Fjord gelegene natürliche Hafen an der Südküste der Krim. Der geheimste Ort der russischen Schwarzmeerflotte – so geheim dass er sogar aus den sowjetischen Karten wegradiert wurde.
Hier bauten die Sowjets nach den Atombomben des zweiten Weltkrieges ein kilometerlanges Tunnelsystem, einen Bunker, der allen bekannten Gefahren trotzen sollte – der Atombunker diente als Stützpunkt für die U-Bootflotte, bis zu vier U-Boote konnten im Tunnel gleichzeitig gewartet bzw. repariert werden.
Der Dritte Weltkrieg, für den diese riesigen Bunker gebaut wurden, blieb aus – die Anlage ist weitgehend demontiert, geplündert – die Tunnels können seit kurzem als Museum besichtigt werden.
Gleich gegenüber liegt die „Golden Symbol Marina“ – eine der wenigen Marinas im Schwarzen Meer überhaupt. Jeder erdenkliche Service ist vorhanden, den Diesel muss ich aber leider in Kanistern von einem klapprigen Tankwagen bis aufs Boot schleppen – 90 Liter sind genug – ich hoffe auf eine Zapfstation in Odessa.
Seit Istanbul begleiten mich immer wieder Delfine durchs Schwarze Meer – auch hier: sie tanzen ums Boot, drehen sich zur Seite, und blicken herauf zu mir als wollten sie sagen: Na? Was ist mit dir? Warum bist du so langsam? Komm – wir zeigen dir wie’s geht!
Bei Kaiserwetter segle ich die steile Südküste der Krim entlang. Kurs West liegt an, bei der Ausfahrt aus Balaklava befürchtete ich noch in einen Regentag hineinzusegeln, doch jetzt strahlt die Sonne auf die Klippen des Kap Ai-Todor.
Oben auf den Klippen das berühmte Schwalbennest – es ist beinahe ein Wahrzeichen der Krim, jedenfalls das wohl am häufigsten verwendete Postkartenmotiv. Auf einem Felsen 40m über dem Meer thront das kleine Schlösschen in gefährlich wirkender Position, als wolle es die Naturgewalten herausfordern.
Nur ein paar Meilen weiter, um Kap Kersones herum, liegt Sewastopol. Der große Leuchtturm am Kap trägt weithin sichtbar die russische Flagge – hier in der Ukraine?
Sewastopol ist noch bis 2017 Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte – vielleicht dient die Flagge der russischen Admiralität ja als Wegweiser dorthin …
Bis Mys Tarkhankut, dem westlichsten Kap der Krim werde ich mich noch an die 12-Meilen-Zone halten – weil es bei dem Wind ohnehin nicht anders ginge.
Ich habe jetzt das erste Reff ins Groß gebunden und segle in eine märchenhafte Sternennacht hinein. Halse, kurz nach Sonnenuntergang südlich von Yevpatoria. Es wird etwas ruppiger, der Seegang nimmt zu – mit Wind von Steuerbord segle ich Kurs 270. Joesefine fährt dem Wind nach, hält die Segel immer in Stellung – das ist das Tolle an einer Windfahnen-Steuerung – immer schön an der Windkante wird unser Kurs immer nördlicher, der Wind dreht nach rechts – wie bestellt.
Immer wieder funkt mich Lebed die Küstenwache an, vor allem wenn ich in der Nähe irgendwelcher Kaps oder Häfen unterwegs bin. Scheinbar versucht man die Schiffsbewegungen wirklich annähernd lückenlos zu dokumentieren.
Alexander Ahrer / blue-water|at
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