Decksdusche mit Hindernissen

Eine Menge Wels und Karpfen haben wir im Kühlschrank, fachmännisch zerlegt und gut verpackt.

Nachdem sich an meinem Angelhaken bisher nur Plastikfetzen und dergleichen verfangen hat nutzten wir im Delta die Gelegenheit und kauften den Fischern einen kleinen Teil ihrer Beute ab.

Der Ausflug war nicht nur kulinarisch lohnend – neben dem großartigen Naturerlebnis bot er uns auch Gelegenheit viel über Rumänien und im Besonderen Sulina zu erfahren.

Die Fahrt mit dem Holzkahn führte uns weit hinein in das Labyrinth des Donaudeltas, zu einem alten mit Schilf gedeckten Fischerhaus, auf große und kleine Seen die sich plötzlich vor uns öffneten und durch enge Kanäle die nur den Eingeweihten bekannt sind.

Jetzt fahren wir wieder hinaus, zurück ins Schwarze Meer.

Die letzten Tage waren drückend heiß und auch jetzt noch, am frühen Abend, ist jede kleine Bewegung schweißtreibend. Ich werde an Deck eine ordentliche Dusche nehmen sobald wir die Ansteuerungstonne passiert haben.

Beim Versuch den Plastiksack für die Dusche zu füllen höre ich zwar die Wasserpumpe rattern, aber kein einziger Tropfen Wasser kommt aus der Leitung – Ebbe im Tank? Unmöglich!

Ein Blick zur Druckwasser-Pumpe unter die Bodenplatte wirkt ernüchternd. Eine Schlauchschelle hat sich gelöst und 2/3 des Tankinhalts, also etwa 700 Liter Trinkwasser, stehen in der Salon-Bilge – die Pumpe läuft leer.

Fluchend und schwitzend schließe ich die Schläuche wieder fest an. Zu allem Verdruß saugt auch noch die elektrische Bilgepumpe irgendwo Luft an – wir starten den Generator und befördern mit der kraftvollen 220-Volt-Tauchpumpe den Großteil des ausgelaufenen Wassers durch einen 1 ½ Zoll dicken Schlauch hinaus ins Meer. Der Rest schwappt im Schiff herum – lässt sich nur mit Schwamm und Tüchern aufsaugen. Wieder sind es die Delfine, die meine Stimmung verbessern, während wir alles wieder aufräumen begleiten sie uns durch die spiegelglatte See nach Süden.

Die Dusche habe ich mir nun wirklich verdient, bevor ich daran gehen kann die Welse zum Abendessen vorzubereiten.

Morgen werden wir hoffentlich wieder Gelegenheit haben den Wassertank zu füllen – heute wird der Tag mit einem fürstlichen Abendessen gefeiert.

Die Nachtfahrt wird nur durch lästigen Funkverkehr gestört: „Merchant vessel, merchant vessel in position four two degrees thirty two point two minutes north, zero three two degrees zero one point five minutes east. This is turkish warship calling you on channel one six. Over“

Es ist zermürbend – schon seit Odessa verfolgen uns solche Funksprüche – und niemand erlöst uns und alle anderen Genervten im Umkreis.

Niemand meldet sich.

Die nächtliche Ruhe, der Sternenhimmel, die Gedanken denen ansonsten nichts im Wege stünde werden gestört durch diese immer wieder monoton und unberührt heruntergeleierten Funksprüche eines Kadetten, der offensichtlich strafweise dazu vergattert wurde sämtliche Punkte am Radarschirm exakt zu identifizieren.

Alexander Ahrer / blue-water|at

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