Kyrillische Speisekarten

Wir haben wieder eine Nachtfahrt geplant – um 1800 Uhr werden wir hier in Constanta die Leinen loswerfen um morgen noch vormittags in Varna / Bulgarien anzukommen.

Ein Beamter der Einwanderungsbehörde (ich habe unsere Abfahrt telefonisch angekündigt) kommt vorbei und wünscht uns weiterhin eine gute Reise. Draußen vor dem Hafen liegt die Marine immer noch vor Anker – wir manövrieren zwischen den über alle Toppen beflaggten Kriegsschiffen durch um dann mit Kurs auf Varna hinaus in die Dünung zu segeln.

Der Seegang macht die Benützung der Pantry beinahe unmöglich – das geplante feierliche Abendessen muss leider einem notdürftigen Imbiss weichen. Die Segel schlagen stark, es ist zu wenig Wind und die Dünung trägt dazu bei dass wir beschließen vorerst ein Stück des Weges unter Maschine zu fahren.

An Land begleiten uns Feuerwerke die Küste entlang, auch die Delfine sind wieder da, sind kaum mehr wegzudenken, erscheinen an jedem Segeltag wie selbstverständlich um uns ein Stück des Weges zu begleiten.

Der Schwell ist maximal unangenehm. Mary Lou wird gnadenlos hin- und hergerissen, die Leesegel in den Kojen bekommen wie so oft zuvor auch heute Nacht ihre Berechtigung.

Um Mitternacht setzen wir die Segel, der Nordwind hat ein wenig an Kraft gewonnen und mit voller Genua wird die Fahrt etwas angenehmer.

0415 Uhr – über Funk gebe ich unsere Daten an die bulgarische Grenzpolizei bekannt – wir werden herzlich willkommen geheißen. Fünf Stunden später machen wir am Passagierterminal von Varna fest.

Die kleine Marina nebenan ist wegen einer Regatta mehr als voll belegt. Die Einreiseformalitäten sind unkompliziert und schnell erledigt – wir müssen aber das Boot auf einen privaten Steg verholen was leider völlig unangemessene 41 € kostet.

BAPHNA – Varna – ist der größte Seehafen und die drittgrößte Stadt Bulgariens. Breite Alleen dominieren das Straßenbild im Zentrum, die Stadt ist modern, lebhaft und quirlig.

Kyrillische Zeichen haben mir schon in der Ukraine einiges Kopfzerbrechen beim Entziffern der Speisekarten bereitet – hier in Bulgarien ist es wieder soweit. Nur ein wenig Risikobereitschaft ebnet hier den Weg zu hervorragenden kulinarischen Erlebnissen.

Wir werden nicht lange in Varna bleiben – planen schon morgen weiter in die denkmalgeschützte alte Stadt Nessebar, dem touristischen Nabel der bulgarischen Schwarzmeerküste, zu segeln.

Für Thomas wird es die letzte Station auf diesem Törn sein, meine Reise geht dann wieder singlehanded weiter nach Sozopol, Tsarevo, Igneada und schließlich durch den Bosporus zurück nach Istanbul.

Alexander Ahrer / blue-water|at

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