wieder einhand

Thomas sitzt bereits im Flieger während ich das Boot ein zweites Mal einer gründlichen Reinigung unterziehe. Das gesamte Deck, alle Leinen sind mit dem feinem schwarzem Teerabrieb vom Parkplatz verdreckt, aufgeweichte Zigarettenpackungen und vieles mehr …

Um 1300 Uhr löse ich endlich die Achterleinen, hole den Anker hoch und bin unterwegs. Wieder einhand. Heute sind es nur etwa 20 Meilen nach Sozopol.

Kaisersegeln ist angesagt – mit 17 Knoten halbem Wind, Sonnenschein, flacher See und meinen Freunden den Delfinen bin ich kurze Zeit später in Sozopol.

Hier drin, gleich hinter dem Wellenbrecher, gibt es eine nagelneue Marina, voll mit schicken Motorjachten – ich lasse den Anker ein Stück weiter hinten im Hafenbecken fallen.

Sozopol ist wie Nessebar – nur besser. Die Stadt ist pittoresk und liegt ebenso zum Teil auf einer Halbinsel,

hier gibt es aber auch noch ganz normale Läden und Lokale.

Immer wieder bin ich verunsichert und falle darauf herein wenn die Kellnerin den Kopf schüttelt – was hierzulande in Bulgarien „Ja“ bedeutet.

Beim Einkauf bemerke ich dass ich mich langsam wieder der Türkei nähere, das Angebot ähnelt sich teilweise. Es gibt zum Beispiel auch Ayran, das türkische Yoghurtgetränk.

Am Nachmittag klettere ich in den Mast und demontiere endlich das Windmessgerät – es zeigt definitiv zu wenig an.

Schon seit langem fällt mir auf dass die Anzeige „untertreibt“ – jetzt will ich mir das Gerät ansehen und vielleicht in Ordnung bringen. Ich zerlege, prüfe, öle und setze es wieder zusammen um dann beim neuerlichen Aufstieg in den Mast eine der drei fragilen Halbschalen abzubrechen.

Das hat mir gerade noch gefehlt. Mit viel Mühe schaffe ich es dann doch noch das Teil wieder zu flicken und erfolgreich zu montieren.

Angeln, Musik hören, Kochen, Abendessen – und dann kommt Georg – ein Bulgare den ich in Nessebar kennen gelernt habe – und lädt mich zum Muschelessen in das Haus seiner Freunde ein. Der Abend wird sehr lang, um 0200 Uhr falle ich todmüde in die Koje.

Morgen werde ich bei der Mündung des Ropotamo ankern – ein Naturschutzgebiet das früher nur der kommunistischen Elite vorbehalten war.

Der Ankerplatz ist wunderschön, lädt zum Schnorcheln und baden ein – mit kleinen Ausflugsschiffen kann man den Fluss hinauffahren, hinein in das große Naturreservat im Mündungsgebiet des Ropotamo. Für Schlauchboote mit Außenborder ist die Zufahrt verboten.

Alexander Ahrer / blue-water|at

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